| "Hoch lebe das neoliberale Selbst. Eine Skizzierung" "Die postmoderne Welt ist der Preis, den wir für das Leben in der Moderne bezahlen." Johan Galtung von Lisbeth N. Trallori Nicht erst am Beginn des neuen Jahrtausends, bereits seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde der Abschied angekündigt - als Finalitätsfloskel bei Michel Foucault, als Ende von den "großen Erzählungen" bei Jean-François Lyotard und anderen postmodernen Theoretikern oder konkreter als Abschied von einer ganz bestimmten Gruppe, nämlich vom Proletariat bei André Gorz. Was sich noch einigermaßen schemenhaft andeutete - daß biomächtige Technologien die Regentschaft übernähmen und das kybernetische Wissen jegliche anderen Wissensstrukturen verdränge -, hat sich allmählich konturiert bei der Benennung dessen, worum es geht: nämlich um die menschliche Spezies selbst. Konfrontiert mit den Folgen der sogenannten Dritten industriellen Revolution stellt sich die Frage, ob ein Teil dieser Spezies noch von Bedeutung ist - nach ihrer Ersetzung durch kybernetische Maschinen, Automaten und Roboter. Bei einer naiven Betrachtung der Dinge könnte man auch das Glas erheben und auf den Abschied von der Plackerei körperlicher Arbeit, von Mühen und Lasten sowie auf den Anbeginn des seit dem 19. Jahrhundert versprochenen Paradieses anstoßen, wonach Menschen aus der Entfremdung und Ausbeutung freigesetzt werden. Doch zu dieser Betrachtungsweise tendieren nicht einmal mehr die Gewerkschaften, die über Jahre hinweg die Rolle von Einpeitschern in die kybernetischen Arbeitstechnologien übernommen haben. Angesichts des Dilemmas, das mit einer "ordentlichen" Substituierungspolitik von Menschen einhergeht, stellt sich die grundsätzliche Frage nach deren Vernutzung: Welche/wer oder was wird noch gebraucht? Und zu welchem Preis? Könnte es nicht sein, daß zunehmend nur mehr eine kleine Truppe von hochdotierten Spezialisten nachgefragt wird, der Rest sind als überflüssig deklarierte Massen. Denn der Vorteil von Automaten und Maschinen ist, daß sie schneller denken, planen, rechnen und wesentlich billiger als Menschen sind, zudem agieren sie emotionsfrei und haben keine psychischen Probleme, wenn sie auf dem Müll landen. Im Zuge der weltweiten Implementierung der Informations- und Kommunikationstechnologien schwand - bis auf wenige Ausnahmen im Bereich der "Hochwertproduktion" (Narr/Schubert 1994) - die Entlohnung für die menschlichen Arbeit dahin, was blieb, sind kaum oder unterbezahlte Jobs, Teilzeitarbeit, saisonale Tätigkeiten ect. In den Industrieländern waren, trotz steigender Produktivität, immer mehr Branchen von der Wegrationalisierung betroffen. Deutlich kommt hierbei die Tendenz zum Ausdruck, daß immer weniger Menschen hochproduktive Tätigkeiten ausüben. Mehr als ein Zehntel der Weltbevölkerung ist unterbeschäftigt oder ohne Lohnarbeit - mit steigender Tendenz; diese Zahl korrespondiert in etwa mit dem numerischen Stand an Computern. Menschliche Arbeit als Grundlage unseres Seins habe ausgedient, stellte Jeremy Rifkin (1997) nüchtern fest. Niemals in der Geschichte zuvor gingen Modernisierung und sozialer Wandel dermaßen rapide, tiefgreifend und unkalkulierbar über die Gesellschaftsbühne, rissen so viele Existenzen und Schicksale in ihren Bann, vergeudeten Talente und Ambitionen und schleuderten sie einer Zukunft entgegen, die bloß rabiate Gegenwart ist. Anstelle eines verheißungsvollen Aufschwungs und Stabilität, nichts anderes als wirtschaftliche Talsohle und Krisenerscheinungen; anstelle von Sicherheit bloß ein Mehr von Risiken; anstelle Wohlhabenheit eine zunehmende "Clochardisierung". Neben den Effekten einer globalen Maschinisierung und Automatisierung interessieren jene auf das Individuum ausgerichteten Verhaltensnormierungen, die mit diesen grandiosen Umwälzungen einhergehen. Durch die marktwirtschaftliche Dynamik verlieren gewachsene soziale Zusammenhänge an Relevanz; Isolierung und Vereinzelung resultieren daraus. Zwar sind wir im Zuge der globalen Vernetzung näher zusammengerückt, dennoch entfernen sich die Leute voneinander durch den Druck des permanenten Wettbewerbs. Den Tüchtigsten gehört die Welt; nur ihnen ist eine erfolgreiche Teilnahme an der Ellenbogengesellschaft gewiß. Globalisierung und Individualisierung generieren zu einem scheinbar paradoxen, vielfach macht- und gewaltförmig agierenden Geschwisterpaar. Zweifellos ist ein innovatives Ich up do date, eine weitere Stufe auf der Vordertreppe abendländischer "Egologie" (Emmanuel Lévinas) wird erklommen. Erwünscht ist das neoliberale, idiopathische Selbst; Menschsein wird zunehmend damit verquickt. Mit anderen Worten: Von Belang erscheinen postmoderne Varianten des Sozialdarwinismus. Das Neoliberale Selbst konstituiert sich im Prozeß des Aushebelns von Solidarität: Jeder ist seines Glückes Schmid, lautet die Wunderformel, zugunsten von: Jedem das Seine. Am Prüfstand steht das organische Kapital, seine Qualität. So ist das Neoliberale Selbst angehalten, von Beginn an (von der zellulären Materialisierung) ein sparsames und kostengünstiges Leben zu führen. Kein Elternpaar solle in Zukunft diese Welt mit behinderten Kindern belasten, hieß es schon Anfang der 70er Jahre. Beim rasanten Konkurrenz- und Überlebenskampf ist die biotechnologische Durchgestaltung menschlicher Existenz von der "Zelle" bis zur "Kryo-Bahre" angesagt. Drei neue große Erzählungen formieren sich hierbei, die als mikropolitische Zvililisationsschienen wirken und gewissermaßen technologisch auf den neuesten Stand gebracht wurden: das Versprechen nach Rationalität, Auslese und Vermarktung. Diese seit Ende des 19. Jahrhunderts längst vorformulierten Versprechen erhalten nunmehr eine Chance auf Umsetzung und zwar, ohne daß sie mit Brachialmethoden politischer Eugenik bzw. Rassenhygiene in Verbindung gebracht werden, sondern mit den modernsten Mitteln, wie sie ein Set an Biotechnologien (vorwiegend Erkennungs- und Testverfahren) anbieten. Die Produktion und Existenz von Menschen werden einem Kosten-Nutzen-Kalkül unterzogen und diese Vorgangsweise erfolgt nach streng volkswirtschaftlichen Überlegungen. Evident ist das Primat der Gesundheit; nur gesunde Körper, Körperteile, Zellen und Gene sind für dieses Kalkül relevant. Dabei geht es um die Erzeugung und den Erhalt eines vorbildlich-produktiven und "hochwertigen" Menschenmaterials. Das erinnert fatal an das Konzept der "Menschenökonomie", das der Feder von Rudolf Goldscheid, Mitbegründer und Vorsit-zender der Soziologischen Gesellschaft in Wien, entstammt (Lehner 1989). Goldscheid gehörte zu jenem Kreis von sozialdemokratischen Intellektuellen, die in 20er Jahren die Offensive zur Schaffung des Neuen Menschen vorantrieben. Vielen der damals wirkenden Denker und Politiker erschien es nicht nur widersinnig, daß die proletarischen Massen der Armut, Wohnungsnot oder dem Hunger, kurz: der sozialen Ausgliederung, preisgegeben wurden, sondern daß es diesen Unglücklichen noch gelänge, ihr Elend an die nächste Generation weiterzugeben, indem sie sich fortpflanzten. Im Theoriegebäude des darwinistisch inspirierten Evolutionismus bedeutete dies nichts anderes als ein Versagen der "Natürlichen Selektion". Anders ausgedrückt: Menschen gelangten zur Fortpflanzung, noch bevor sie an ihrem Elend physisch zugrunde gingen. Deshalb sei es vorrangige Aufgabe des Staates bzw. seiner Institutionen der Selektion nachzuhelfen. Menschenökonomie und Sozialgesetzgebung fungierten als Eckpfeiler dieser Theorie. Im Zuge der Kosten-Nutzen-Debatte wurde erkannt, daß es billiger sei, wenn man das "defekte" organische Kapital ausschalte, d.h. wenn solche Menschen, die keinesfalls als genuiner Kapitalwert und gesamtgesellschaftlicher Produktionsfaktor rangierten, gar nicht erst geboren werden. In der Historie hat dies bekanntermaßen zur Politik der Auslese, zu Zwangssterilisierungen und schließlich zur Ausmerze geführt. Lange vor Etablierung des NS-Regimes verzeichnete die Eugenikbewegung in den verschiedenen europäischen Ländern, im anglo-sächischen Raum und vor allem in den USA einen enormen Zulauf. Aufbauend auf den Tugenden rationalen Handelns und der Optimierung von Gesundheit konnte Adolf Hitler bereits in "Mein Kampf" bündig formulieren: "Die Forderung, daß defekten Menschen die Zeugung anderer ebenso defekter Nachkommen unmöglich gemacht wird, ist eine Forderung klarster Vernunft und bedeutet in ihrer planmäßigen Durchführung die humanste Tat der Menschheit. Sie wird Millionen von Unglücklichen unverdiente Leiden ersparen, in der Folge aber zu einer steigenden Gesundung überhaupt führen." Mit den biotechnologischen Angeboten (Gentechnik, -therapie, Biomedizin) entfällt die sichtbare Opferung und damit verblassen tradierte moralisch-ethische Kategorien. Die "tödliche Ethik", der Selektionsvorgang bzw. Tötungsakt selbst weicht einem nunmehr biotechnologisch fundierten Humanismus, der sich als genetischer Zellen-Check-up präsentiert. Im Gegensatz zu den 20er und frühen 30er Jahren, wo die Gesellschaft von "Ballastexistenzen" oder von "Minusvarianten" (Julius Tandler), später von den "Unwerten" im Namen des Staates und der Volksgemeinschaft gesäubert wurde, finden nun die Säuberungen selbstbestimmt und zumeist präventiv im Namen der Individuen, die sich selbst sowie deren Kinder auf dem Markt bewähren müssen, statt. Zu einem durchrationalisierten Lebensstil gehört heutzutage der Konsum von (Human)Genetik und Reproduktionstechniken, weil diese einwandfreie Zellen und Gene, faktisch laborgenormten Nachwuchs in Aussicht stellen. Embryonale Zellen, die unter die Definition des Ungesunden fallen und sich nicht in Höchstform befinden, können bereits über die Präimplantationsanalyse herausgefiltert werden. Mit diesem derzeit modernsten Selektionsverfahren entfallen ihre Chancen auf Einpflanzung in utero; solche Zellen können sich auch nicht weiterentwickeln oder teilen, sondern man kippt sie in die Abflußrohre des Labors. Chloe heißt das erste Baby, an dem das Genchecking vor Implantierung und vor Einnistung in den Uterus durchgeführt wurde; 1992 ist es in London auf die Welt gekommen. Vorausplanende Eltern, wie etwa jene von Chloe, wollten dadurch vermutlich ihrem Nachwuchs ein hartes und vielleicht ungerechtes Leben ersparen. Aus allgemein nachvollziehbaren guten Gründen, über die Schiene des Funktions- und Verbesserungsrationalismus lassen sich Individuen in eine Fülle von Wissens- und Machttechniken einbinden, die sie zu einer produktiven Selbstverwaltung und selbstregulierenden Qualitätssteigerung befähigen. Wie empirische Umfragen zeigen, würde nahezu die Hälfte der amerikanischen Bevölkerung ">dem Einsatz der Gentherapie zur Verbesserung der körperlichen Merkmale ihres Kindes zustimmen<" (zit. nach Rifkin 1998, 217). Auch die Diagnose Fettleibigkeit würde nach einer Befragung von schwangeren Frauen in Deutschland dahin führen, daß sie ihr Baby zu 19 Prozent nicht austragen würden; ähnlich gelagert sind Aussagen in Österreich, wenn es sich um eine genetische Veranlagung zur Homosexualität handelt. Das Neoliberale Selbst ist speziell auf Selbstfürsorge und -vorsorge als vernunftmäßige Handlungsbasis auf dem Gesundheitssektor verwiesen. Durch die Kostenexplosion in diesem Bereich entstand eine enorme Nachfrage nach Remedien zur Vermeidung von Leid und Pein, denn in zunehmenden Maße entzogen sich der neoliberale Staat und seine Institutionen der Maxime ihrer allgemeinen Verantwortung und bürdeten schrittweise den BürgerInnen die anfallenden Gesundheitsrisiken und -kosten als Individualkosten auf. Mit der individuellen Aufrechnung für eine Beschädigung oder Behinderung von Leibern und Leben verkehrte sich das Verhältnis. Nicht mehr der Staat oder seine Organe, sondern die potentiellen Eltern selbst setzten Normalisierungswissen in ihrer Alltagspraxis gemäß des Prinzips eigennütziger Selbstauslese durch. In Zukunft mutiert die überprüfte Gen-Ausstattung zu einem Markenzeichen. Eine den Gesundheitsnormen nicht entsprechende Lebensführung könnte daher zu drastischen sozialen und versicherungstechnischen Konsequenzen führen, so zu einer maßlosen Überhöhung der Versicherungssumme oder gar zu einer Ablehnung des Versicherungsschutzes. Niemand, der eine genetische Verantwortung aufweist, wird dann das Recht auf Krankheit besitzen. Da liegt es gar nicht mehr fern, die prächtigsten Exemplare der bereinigten Spezies zu klonen oder von denen, die es sich leisten können, ein genetisches Ersatzteillager kryokonserviert anzulegen. Dieser Einsicht wird man sich künftig, wenn dementsprechende Techniken das experimentelle Stadium überwunden haben, kaum verschließen können, figuriert doch das Ensemble von Normalisierungstechniken als Teil einer Vernunftstrategie zur Optimierung des Lebens. Gerade Optimierungstheoreme sind mit dem Industrie-Macht-Komplex verwoben; der Öffentlichkeit wird suggeriert, daß stetige Aufwärtsentwicklung und Verbesserung untrennbar mit den "Segnungen" der Bioindustrie konnotiert sind, so beispielsweise der Abschaffung des Hungers und Elends, der Armut und der (männlichen) Unfruchtbarkeit - letztere speziell in den Regionen der "Ersten Welt". Tatsächlich jedoch geht es um Steigerung von Gewinnmargen durch die rechtskräftige Möglichkeit einer Patentierung. Seit der "Uruguay-Runde" 1994 steht nämlich fest, daß nicht nur technische Erfindungen patentierbar sind, sondern - neben Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren - auch menschliche Zelllinien und Gene. Seitdem herrscht ein Patentierungsfieber, vergleichbar mit dem Goldrausch im 19. Jahrhundert, denn auf keinem anderen High-Tech-Sektor spielt der Patentschutz eine so herausragende Rolle wie in der Biotechnologie. Der Run auf Gene ist eröffnet: Mehr als hunderte von menschlichen Erbsubstanzen sind bereits als Patent angemeldet, davon Genabschnitte bzw. Genschnipsel, wo man einfach "blind" gefischt hatte. Gemäß der erteilten Patentberechtigungen deklarieren Biokonzerne ihr Eigentum an Menschengenen mit dem Ziel, deren kommerzielle Verwertung über Einnahmen aus Lizenzen ein für allemal abzusichern. Faktisch steht einer globalen Biokolonisation nichts mehr im Wege (vgl. Mies 1996); der "Sachzwang Weltmarkt" und die Interessen der Bioindustrie flankieren ihrerseits die Herausbildung des Neoliberalen Selbst. Nagende Ungewißheit über Zukunft, Arbeit und Einkommen verstärkt den Trend zur Selbstanpassung und -technologisierung, um mit dem Vorteil von besseren Marktchancen zu punkten. Allzu deprimierend bis abstoßend gestaltet sich in der sozialen Realität die Exklusion derjenigen, die an den Trauerrand der Gesellschaft gedrängt werden: Langzeitarbeitslose, alleinerziehende Frauen, Erkrankte, Behinderte, und RentnerInnen. Die immer breiter werdende Gruppe von Marginalisierten bzw. die "Modernisierungsverlierer" sehen sich mit der Preisgabe an Lächerlichkeit und Verachtung konfrontiert; welche/wer ihre/seine Lohnarbeit verlöre oder keine fände, sei selbst schuld, wird ihnen eingeflüstert. Im Zusammenhang mit einer neoliberalen diskursiven Wende hat sich der Begriff des "Opfers" gewandelt; ein entheroisierter Begriff, der mit Schimpf, Scham und Schande verbunden ist. Nicht nur, daß die Opfer "entweiht" wurden, die Vielzahl der Opferungen an die Götzen des Neoliberalismus - Umstrukturierung, Abwicklung, radikale Verschlankung, ersatzlose Entlassungen oder Auflassungen - war allerdings umsonst, denn Andere, wie etwa im griechischen Mythos, konnten dadurch nicht errettet werden. Vor dem Altar der Logik kybernetischer Maschinen und Technologien sind praktisch alle gleich. Schließlich versinken die Exkludierten keineswegs im Zartgefühl der Mitmenschen, sondern verstecken sich vor dem Wind aus Hohn und Zynismen, der ihnen entgegenweht. Das, was mit den Vergewaltigungsopfern passiert, schlägt nun auf die gesamte Gesellschaft über: die doppelte Ausbeute der Opfer - einmal durch das, was ihnen geschehen ist, und zum anderen, wie damit gesellschaftlich umgegangen wird. Aus dem "häßlichen Staat" werden "häßliche Bürger" (Ulrich Beck); weder Ästhetik, Sensibilität oder Würde, sondern Manifestationen des Häßlich-Aggressiven geraten zum Siegel von hemdsärmligen Tugenden. Auffallend ist die Erosion politischer Landschaften und Kategorien, nachdem verschiedene Techniken zur selbstorganisierten Transformation für die Einzelnen verfügbar sind. Gemeinsames Handeln beschränkt sich in der Gesellschaft des entfalteten Neoliberalismus zum überwiegenden Teil auf gemeinsame Fluchtbewegungen vor sozialen Widrigkeiten, Unglück und Tod (man denke nur an das Aufflammen der Sterbehilfe - ebenso wie der Organbeschaffungs-Debatten). Die Dimension der Freiheit reduziert sich immer mehr auf ein Auswahlverfahren, und die Freiheitsgrade des Individuums, das seine Zellen, Gene und Körperteile buchstäblich zu Markte trägt, verschleißen sich in der Wahl zwischen den diversen Variationen des biotechnologischen Design und in der Anschaffung der optimalsten Mittel, sprich: in der Tendenz zur Selbstvermarktung. Nicht mehr staatsrassistische Durchsetzungspolitik, bloß die Sorge um sich selbst bahnt de facto die modernisierte Qualifizierung des Humankapitals an. Dermaßen mikro- und biopolitisch fit gemacht für den Kampf Jeder/Jede gegen Jeden, bleibt sicher nur der/die/das Beste auf dem Weltmarkt bestehen. Literatur: Galtung, Johan: Der Preis der Modernisierung. Struktur und Kultur im Weltsystem, Wien 1997. Lehner, Karin: Verpönte Eingriffe. Sozialdemokratische Reformbestrebungen zu den Abtreibungsbestimmungen in der Zwischenkriegszeit, Wien 1989. Mies, Maria: Patente auf Leben. Darf alles gemacht werden, was machbar ist?, in: Lisbeth N. Trallori (Hgin): Die Eroberung des Lebens. Technik und Gesellschaft an der Wende zum 21. Jahrhundert, Wien 1996. Narr, Wolf-Dieter/Alexander Schubert: Weltökonomie. Die Misere der Politik, Frankfurt/M. 1994. Rifkin, Jeremy: Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft, Frankfurt/M. 1997. Rifkin, Jeremy: Das Biotechnische Zeitalter. Die Geschäfte mit der Genetik, München 1998. Dieser Beitrag erschien in dem von B. Krondorfer und C. Mostböck herausgegebenen Band: "Frauen und Ökonomie oder: Geld essen Kritik auf.“ Kritischer Versuch feministischer Zumutungen, Wien (promedia) 2000. |