Tätigkeitsbericht für das Jahr 2002
der Grünen Bildungswerkstatt Tirol



Die Rolle des Staates in der internationalen Krisenintervention

Neve Shalom/Wahat al Salam - Oase des Friedens
um 19:30 Uhr, in der Theologischen Fakultät, Hörsaal 4, Innsbruck
Ca. 110 TeilnehmerInnen
Vortrag und Diskussion mit dem Ehepaar Evi Guggenheim - Shbeta und Eya Shbeta aus dem Dorf des Friedens in Israel
Einleitung und Moderation: Adel El-Sayed, Politologe an der Uni Innsbruck

In einer Zeit, in der zwischen Israelis und Palästinensern vor allem die Sprache der Gewalt gesprochen wird und die israelische Friedensbewegung auch unter dem "Donnern der Kanonen" fast ganz verstummt ist, gibt es in Israel/Palästina doch noch wenige Oasen, in denen die Friedensarbeit, wenn auch unter erschwerten Bedingungen weitergeführt wird. So leben und arbeiten in Neve Shalom/Wahat al Salam weiterhin Juden und Palästinenser in Frieden zusammen, die Arbeit in der Friedensschule wird weitergeführt, in der Primarschule und Kindergarten lernen weiterhin tagtäglich Hunderte von jüdischen und palästinensischen Kindern zusammen. Die Diskussionen zwischen den Dorfbewohnern sind seit der zweiten Intifahda hitziger geworden, jedoch praktizieren sie immer noch ihr Motto, dass in Frieden leben, heißt, sich mit dem Konflikt auseinander zu setzen und ihm nicht aus dem Weg zu gehen.

Neve Shalom/Wahat al-Salam (NS/WS) ist eine 1972 gegründete Dorfkooperative, in der jüdische und palästinensische Bürger Israels miteinander leben. Sie liegt gleichweit entfernt von Tel Aviv, Jerusalem und Ramallah. Die erste Familie zog 1977 auf den Hügel; bis 2001 ist das Dorf auf über 40 Familien angewachsen. Die Mitglieder von NS/WS sind der lebendige Beweis dafür, dass friedliche Partnerschaft zwischen Juden und Palästinensern in einer auf Toleranz, gegenseitiger Achtung und Zusammenarbeit beruhender Gemeinschaft möglich ist. NS/WS setzt diese Idee in verschiedenen Bereichen in praktische Arbeit um: Kinderkrippe; Kindergarten und Schule.

Eine Kooperationsveranstaltung zwischen GBW Tirol, der Grünen Alternative Tirol und Südwind Tirol


Schein und Wirklichkeit in Palästina
am 19. März um 20:00Uhr im GH Bierstindl in Innsbruck
Ca.150 TeilnehmerInnen
Vortrag und Diskussion mit der alternativen Friedensnobelpreisträgerin Felicia Langer
Felicia Langer gilt in Deutschland als wichtige Vertreterin des "anderen Israel". Sie wurde 1930 in Polen geboren, floh nach dem deutschen Überfall in die UdSSR und zog Anfang der fünfziger Jahre nach Israel. Als Anwältin verteidigte sie jahrzehntelang die Bürger- und Menschenrechte der Palästinenser und erhielt dafür 1990 den Alternativen Friedensnobelpreis. Seit 1991 lebt sie im freiwilligen Exil in Tübingen.

Felicia Langer betonte ihre Bestürzung und Trauer über die Anschläge gegen Zivilisten in Israel, gibt aber gleichzeitig Ihrer Überzeugung Ausdruck, dass Israel den Weg für die Terroranschläge pflastert. Sie schilderte die verheerende Situation in Palästina. Nach Medienberichten starben im Verlauf der vergangenen Woche vom 4.-10. März mindestens 214 Palästinenser und 42 Israelis. Darunter bewaffnete Widerstandskämpfer, Zivilisten, darunter Frauen, Kinder, Greise auf beiden Seiten. Auf die Provokationen der Israelis folgten Anschläge auf jüdische Siedler, Raketenangriffe der israelischen Luftwaffe auf palästinensische Städte und wiederum blutige Selbstmordattentate auf ein ultraorthodoxes College im Gaza-Streifen, in West Jerusalem. Es war die bisher blutigste Woche aller bisherigen immer wieder blutigsten Wochen des seit 17 Monaten andauernden palästinensischen Widerstandskampfes gegen die Okkupation, der schon jahrelang, mit brutalen militärischen Mitteln und kolonialistischer Unterdrückung, versucht wird niederzuschlagen. Felicia Langer kritisierte Sharon, der es trotz seiner ganzen militärischen Vergangenheit als Brigadegeneral nicht versteht, dass der legitime Guerillakampf eines Volkes nicht mit massiven Militärmethoden einer noch so gut für einen Krieg gegen eine feindliche Armee trainierten und ausgerüsteten Armee mit Panzer und Luftterror ausgelöscht werden kann. F. Langer: "Die ganze kolossale Macht gegen ein Volk unter Besatzung. Das ist eine Schule, ein Laboratorium für Terror. Die Sperren die Menschen erniedrigen und schikanieren, die gezielte Zerstörung von Infrastruktur. Der Infrastruktur, die von Europa finanziert wurde. Fast alles wurde zerstört: Fernsehstation, Radiostation, der Hafen in Gaza, der Flughafen in Gaza, und viele andere Gebäude. Vor zwei drei Wochen hat man das auf 17 Mio. Euro geschätzt. Und sie wissen wie das funktioniert. Das funktioniert sehr interessant. Die Amerikaner die amerikanischen Steuerzahler bezahlen die Waffen die F 16, die Raketen, die Bomben. Alles um das, was die Steuerzahler von Europa zahlen zu zerstören. So ist diese Zusammenarbeit zwischen Amerika und Europa. Über den Aufstand möchte ich folgendes sagen: Der Aufstand ist völkerrechtentsprechend. Terror nein aber Aufstand gegen Besatzung ist laut Völkerrecht legitim. Ein Volk unter Besatzung hat als letztes Mittel das Recht sich zu wehren. Und so wehrt sich das palästinensische Volk mit Heldentum und Heldentaten. Das muss ich sagen, und das sagt auch die israelische Friedensbewegung. Der Aufstand ist ausgebrochen weil das Fass von Unterdrückung, Enttäuschung und Frustration voll war. Das, was Sharon am Tempelberg gemacht hat, diese berüchtigte Visite am 28. September 2000 das war nur ein Funke. Das Fass von Enttäuschung Frustration war voll. Zehn Jahre von Friedensgespräche - was für eine Schande!

Anfang 1991 waren noch 92.000 Siedler in den besetzten Gebieten. Das war zu Beginn der Friedensgespräche. Nach mehr als 8 Jahren von Gesprächen und Verhandlungen, von Rückzügen die keine waren, wohnen jetzt mehr als 200.000 Siedler in den besetzten Gebieten. Das heißt alles war Lug und Trug! Man hat die Palästinenser betrogen und die ganze Zeit Siedlungen gebaut. Daran war auch die Arbeiterpartei, Rabin und Peres beteiligt. Und in Ostjerusalem sind noch einmal 180.000 Siedler, die Wasser in Hülle und Fülle haben.
Übrigens wir kontrollieren 80% des Wassers und 80 % des Wassers nehmen wir für uns und die palästinensische Ortschaften verdursten. Das ist die Situation die, die Palästinenser erlebt haben. "Felicia Langer berichtet auch über die Friedensbewegung "Peace Now" in Israel, der sie ebenfalls angehört: Und über die Friedensbewegung in Israel habe ich gute Nachrichten. Die konsequente Friedensbewegung agierte die ganze Zeit, war aber sehr gelähmt. Jetzt ist es viel besser geworden und wir haben mehr als 300 Soldaten, Offiziere die den Dienst in den besetzten Gebieten verweigern und sagen dass sie nicht mehr an der Unterdrückung teilnehmen wollen oder die Siedlungen zu beschützen die völkerrechtswidrig sind und sie wollen keine Kriegsverbrecher werden. In Wahrheit ist der Sharon nicht nur ein mutmaßlicher Kriegsverbrecher von damals, er ist auch ein Kriegsverbrecher von heute weil das was jetzt in den besetzten Gebieten passiert die Hinrichtungen, Vertreibungen, außergerichtlichen Hinrichtungen, das ist Kriegsverbrechen und wenigstens
Staatsterror. Die Soldaten die jetzt den Dienst verweigert haben führen jetzt eine kolossale Propaganda um weitere zur Dienstverweigerung zu bewegen. Die Schlussfolgerung unserer Friedensbewegung in Israel ist: Wiedergutmachung, Versöhnung, Schuld bekennen, Flüchtlingsfrage auflösen."

eine Kooperationsveranstaltung zwischen GBW Tirol und Südwind Tirol


Kriegslügen - Die Rätsel des 11. September und der deutsche Griff zur Weltmacht
am 14.06.2002 in Innsbruck im Weißen Kreuz um 20 Uhr
Ca. 24 TeilnehmerInnen
Jürgen Elsässer referierte über seine neuen Bücher "Deutschland führt Krieg" und "Make Love and War"
Dem Imperialismus Widerstand zu leisten, ohne die Hoffnung auf eine weltumspannende Zivilisation in der Tradition von 1789 und 1917 fallen zu lassen und deswegen auch dem Islamismus Feind zu bleiben - das ist die Aufgabe, vor der wir stehen. Wir müssen Bush ernst nehmen: Er hat gesagt, 2002 wird das Jahr des Krieges, und der Krieg für die Freiheit, also gegen die Gleichheit, wird noch viele weitere Jahre gehen. Deutschland ist an diesem Krieg beteiligt, aktuell und in den nächsten Jahren wohl im Windschatten der US-Amerikaner, als Hyänen des Krieges, die im Aas und in den Trümmern, die, die US-Bomber hinterlassen haben, wühlen, um daraus Profit zu schlagen. In nicht allzu ferner Zukunft wird sich das von Deutschland geführte Europa aber auch gegen die USA richten, weil der Erdball für zwei gleichberechtigte Supermächte einfach zu klein ist. Der Hauptfeind steht im eigenen Land - nicht in Washington, aber auch nicht in Kabul oder Bagdad. Widerstand gegen die deutsche Aggressionspolitik gibt es kaum, ebenso wenig wie eine Linke. Es gibt Einzelpersonen und Gruppen und Zeitschriften, die sich bemühen, mit mehr oder weniger Geschick, die aber untereinander hoffnungslos zerstritten sind und sich immer wieder lustvoll in die Grabenkämpfe vergangener Tage stürzen. Nur dass sich die Linken früherer Tage als Revisionisten oder Reformisten beschimpft haben, während man jetzt den anderen lieber mit dem Vorwurf des Antisemitismus mundtot macht. Ohne Zweifel gibt es in der Linken Antisemitismus. Aber ist das ein Grund, die DKP mit der NPD, die "Junge Welt" mit der "Jungen Freiheit" gleichzusetzen? Geht es auch etwas konstruktiver? Mit weniger Totalitarismus-Theorie und mehr Fakten? Eine Linke, die ihren Namen verdient, wird neu entstehen können nur aus dem Kampf gegen den jetzt begonnenen Krieg und insbesondere gegen Deutschlands Beteiligung an diesem Krieg - übrigens ganz wie zu Zeiten von Luxemburg und Lenin, auch damals war der Anti-Kriegs-Kampf der Geburtshelfer für die entschiedene gesellschaftliche Opposition. Der notwendige Streit, der zu führen ist, sollte sich also nicht an Fragestellungen von vor zehn oder zwanzig Jahren oder gar hundert Jahren orientieren, wir sollten nicht länger nach dem roten Stein der Weisen suchen und einen Wettbewerb austragen, wer der antideutscheste oder antiimperialistischste oder kommunistischste ist, sondern wir sollten hauptsächlich darüber streiten, wie ein effektiver Widerstand gegen die Kriegspolitik vor allem Deutschlands aufgebaut werden kann. Gut möglich, dass alles vergeblich ist und Deutschland zum dritten Mal in hundert Jahren die Welt verwüstet oder mitverwüstet. Die Mehrheit der Bevölkerung geht mit den Herrschenden. Ob es uns wenigstens gelingt, eine Art Sperrminorität aufzubauen, ist höchst fraglich. Immerhin hat die IG Metall gegen den Krieg protestiert und von Schröder scharfe Kritik einstecken müssen. Man muss die Arbeiterbewegung ja nicht gleich wieder zum revolutionären Subjekt stilisieren. Aber vielleicht ist sie doch nicht so tot, wie uns die Achtundsechziger glauben gemacht haben. Effektiver Widerstand gegen die deutsche Kriegspolitik - dahin wird der Weg lang sein. Es wäre schön, wenn wir als versprengte Einzelne damit beginnen würden, unsere Nachbarn und Kollegen über den Ernst der Lage zu informieren.


Reisen in das Land der Kriege
Am 10.06.2002 um 19:30 im ÖGB Saal Innsbruck
Ca.29 TeilnehmerInnen
Eine Lesung und Diskussion mit dem Autor des Buches "Reisen in das Land der Kriege",
Kurt Köpruner

Kurt Köpruner, geb. 1951 in Bregenz, übersiedelte im Alter von 38 Jahren nach Deutschland, wo er eine Firma gründete und leitete, die im Bereich der internationalen Beschaffung von Maschinenbauteilen arbeitete. Diese Tätigkeit führte ihn seit 1990 häufig in verschiedene Regionen des früheren Jugoslawiens. Vielfältige geschäftliche und private Kontakte ließen ihn den Zerfall Jugoslawiens intensiv miterleben und insbesondere die große Diskrepanz zwischen dem, was er selbst an Ort und Stelle erlebte, und dem, wie in Deutschland und Österreich darüber berichtet und - darauf aufbauend - Politik gemacht wurde, veranlasste ihn schließlich, seine Eindrücke niederzuschreiben.
Ein Fremder, der heute mit offenen Augen durch das Land reist, das noch vor gut zehn Jahren "Jugoslawien" hieß, wird erschütternde, merkwürdige aber auch schöne Erfahrungen machen. Er wird durch entvölkerte Landstriche kommen, in denen alles Bewohnbare in Trümmern liegt, durch Zonen, in denen ausländische Soldaten ihre Manöver abhalten und die Menschen daran hindern, sich gegenseitig umzubringen, durch quirlige Städte, wo neben einigen wenigen Luxuslimousinen alte Schrottwägen das Bild prägen. Er wird ländliche Gebiete sehen, in denen die Menschen ausschließlich von dem leben, was ihre Erde hergibt. Industrieruinen werden ihm ins Auge stechen, die einstmals zehn Tausende Familien ernährten, heute nur noch auf ihren endgültigen Zerfall warten. Flüchtlingslager könnte er besuchen, wo Hunderttausende, ungeliebt und ohne jede Perspektive, dahinvegetieren, die allerdings in diesem Fall kein westliches Kameraauge je erfasste. Und überall er wird erschütternde Geschichten hören, vom Krieg, von Vertreibung, von Hass, Verzweiflung und Ausweglosigkeit. Angesichts des nicht vorstellbaren Leides, von dem fast alle seine Gesprächspartner erzählen, wird er nicht begreifen können, was die Menschen auch heute noch freundlich sein und lachen lässt. Und er wird nicht verstehen, wie sie überleben, haben sie doch im Durchschnitt nur mehr ein Fünftel dessen zum Leben, was ihnen in den achtziger Jahren zur Verfügung stand.
Kurt Köpruner verwies in seinem Vortrag immer wieder auf die Rolle von Europa, insbesondere Österreich und Deutschland, in diesem Krieg und schildert den Zerfall Jugoslawiens von Beginn an.

Eine Kooperationsveranstaltung zwischen GBW Tirol, FSG und KPÖ



Reise in den Irak
27.05.2002 im Cafe SUB in Innsbruck, sowie in Wörgl jeweils um 20 Uhr
TeilnehmerInnen gesamt: 52
Reisebericht mit Dias von Wilfried Bader, Wilfried Bader ist Gemeinderat in Angerberg und war Obmann der Grünen Bildungswerkstatt Tirol

In der letzten Märzwoche brach Wilfried Bader mit einer Delegation von Wien aus auf, und versuchte sich ein Bild über die Lage im Irak zu machen und um Solidarität mit dem Irakischen Volk gegen die neuerlich, geplante militärische Aggression der USA und gegen das seit zehn Jahren andauernde Embargo zu überbringen. Die Auswirkungen des Golfkrieges von 1991 sind nach über zehn Jahren noch nicht an ihrem Höhepunkt angelangt. Durch die von den USA und den Briten eingesetzte DU-Munition (abgereichertes Uran) kämpft dieses Land nun gegen großflächige Verstrahlung und deren fatalen Auswirkungen auf die Menschen. Das Embargo - von der UNO verhängt - verhindert die Einfuhr von den nötigsten Medikamenten. So zum Beispiel gibt es für die Behandlung von Krebs-Kranken nur selten Chemo-Therapien.
Das Handelsembargo hat die Menschen im Irak in große Armut geworfen. Von staatlicher Seite gibt es sehr viele Hilfsmaßnahmen, die den schlimmsten Hunger verhindern. Dabei wurde bei unserer Reise im Irak immer wieder betont, dass der Irak keine Almosen und Spenden benötigt, denn alle lebenswichtigen Dinge könnten importiert und mit dem Erlös der Öleinnahmen bezahlt werden. Die Erdölvorkommen sind im Irak verstaatlicht und so vor dem Zugriff westlicher Ölkonzerne geschützt. Wenn diese Erdölvorkommen in die Hände der Konzerne fallen, verlieren die Menschen alles was sie haben: den Irak.
Wilfried Bader lässt in der Diskussion immer wieder anklingen, dass die Diktatur dieses Land prägt, und die Herrschaft Husseins auf keinen Fall gut zu heißen ist, auch wenn ihnen immer wieder gezeigt wurde, dass im Irak der islamische Fundamentalismus keine Chance hat, und religiöse Minderheiten, wie Christen und Juden gefahrlos existieren können.
In der Diskussion stellt sich heraus, dass der von Amerika angekündigte Krieg mit dem Irak von allen abgelehnt wird. Krieg kann kein Mittel sein einem Volk Frieden und Freiheit zu bringen.


Die aktuelle Situation in Ramallah und die Aktionen der internationalen FriedensaktivistInnen
Am Donnerstag 04.07.2002 in Innsbruck, ein Film mit Vortrag und Diskussion zu Israel-Palästina mit Leo Gabriel
Ca. 45 TeilnehmerInnen
Leo Gabriel ist ein engagierter, kompetenter Journalist über Themen des Südens, Abhängigkeit und Entwicklung und war zur Zeit der erst kürzlich stattgefundenen Besetzung und Belagerung des Amtssitzes von Palästinenserpräsident Arafat durch die israelische Armee in Ramallah. Er dokumentiert im Film die Situation vor Ort und die Aktionen der FriedensaktivistInnen. Er zeigt auch den Besuch einer internationalen Friedens-Delegation des Welt-Sozialforums (Puerto Alegre), die trotz der gefährlichen Lage bis zu Arafat vordringen konnten und Hilfe sowie Solidaritätsgrüße überbrachten. An dieser Delegation beteiligten sich u.a. auch VertreterInnen von MST (Movimento sem tierras, Landlosenbewegung Brasiliens). Der ORF hat es abgelehnt, den Film zu bringen, wir wollen ihn zeigen.

E
ine Kooperation zwischen der GBW Tirol, der Friedensplattform Innsbruck und Südwind Tirol


Die Benes-Dekrete
am 23. September, im Cafe SUB, Innsbruck
TeilnehmerInnen 34
Vortrag und Diskussion zur Problematik der Benes-Dekrete im Rahmen der österreichisch - tschechischen Beziehungen und der Erweiterung der Europäischen Union mit Karin Liebhart, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Österreichischen Ost- und Südosteuropa Institut/ Abteilung Sozialwissenschaften (Wien) sowie Sekretärin der Gesellschaft für politische Aufklärung/ Büro Wien. Lektorin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien

Im Zentrum des Referats stand zum einen die politikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Benes-Dekreten, deren Entstehungskontext, Wirkungsgeschichte und gegenwärtige Bedeutung. Zum anderen wurde am Beispiel der - nicht allein durch das Thema Benes-Dekrete belasteten - bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und Tschechien die Problematik einer prinzipiellen Skepsis bis grundlegenden Gegnerschaft Österreichs gegenüber der Osterweiterung der Europäischen Union thematisiert.
Im unsensiblen bis provokanten Umgang mehrerer österreichischer PolitikerInnen mit der Problematik der Benes- ekrete - der in manchen Reaktionen tschechischer PolitikerInnen allerdings seine Entsprechung findet -, kommt die Funktionalisierbarkeit von Geschichte für aktuelle politische Zwecke besonders deutlich zum Ausdruck. Bereits die Erwähnung der Benes-Dekrete in der Regierungserklärung der ÖVP/FPÖ-Koalition 2002 war ein Beunruhigungsfaktor für Prag (Erhard Busek). Der von FPÖ-Abgeordneten im Parlament eingebrachte Antrag, die Bundesregierung solle bis zur Aufhebung der Dekrete ein Veto gegen einen EU-Beitritt Tschechiens einlegen, ist jedoch vor allem als Bestandteil einer innenpolitischen Diskussion zu sehen ebenso wie ähnlich lautende Forderungen einzelner PolitikerInnen.



Integration oder Ausgrenzung und Überwachung

Der Integrationsvertrag der österreichischen Bundesregierung
28 Jänner um, Cafe SUB, Innsbruck, 20 Uhr
TeilnehmerInnen: 26
Vortrag und Diskussion mit Rechtsanwalt Dr. Paul Delazer
Über Integration ist in Österreich schon viel geredet worden. Als vorläufiger "Höhepunkt" der Auseinandersetzung mit diesem Thema steht die sogenannte "Integrationsvereinbarung" der Bundesregierung mit dem Ziel eines "Brückenbaus zwischen allen in Österreich lebenden Menschen, um ein friedliches und verständnisvollen Zusammenleben zu ermöglichen".
Was sich hinter diesem Begriff verbirgt, ist leider nicht das, was er verspricht: es geht weder um Integration noch um eine "Vereinbarung", sondern ein einseitiges Diktat der politisch Verantwortlichen gegenüber und Flüchtlingen, die bei Nicht-Befolgung mit schwerwiegenden Sanktionen konfrontiert sind. Dr. Delazer geht auf den einzigen bereits beschlossenen Punkt der geplanten Integrationsvereinbarung ein. Die Quotenregelung für Neuzuwanderungen wurde Ende letzten Jahres von der Bundesregierung beschlossen da diese Regelung eine Nullzuwanderung beinhaltet, widerspricht dies dem Verfassungs-Gesetz und es ist damit zu rechnen, dass der Verfassungsgerichtshof gegen diesen Entscheid berufen wird. Ob weitere Schritte des geplanten Integrationsvertrages umgesetzt werden, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen.



Der Islam, das Christentum, der Staat und die Menschenrechte

Der arabische Einfluss im europäischen Denken
am 25.03.2002 im Cafe SUB, Innsbruck
TeilnehmerInnen: 25
Vortrag und Diskussion mit Dr. Hans Kraml, Philosoph, Theologische Fakultät, Christliche Philosophie, Universität Innsbruck

Allgemein bekannt ist, dass über die Araber das indische Dezimalsystem und die besondere Form der Ziffernschreibweise nach Europa gelangte. Weniger bekannt ist, dass die besondere Entwicklung des Denkens seit dem Mittelalter ohne die Einflüsse des Denkens von Philosophen, Medizinern und Wissenschaftlern aus dem arabischen Kulturkreis nicht stattgefunden hätte. An einer Vielzahl von Denkmustern und Modellen lässt sich die Wirksamkeit dieses Einflusses auch heute noch verdeutlichen. In dem Vortrag von Hans Kraml wurden einige Beispiele dafür geschildert.



Politik und Religion - Annäherungen an ein brisantes Thema
Am 22.04.2002 im Cafe SUB in Innsbruck
TeilnehmerInnen 32
Eine Diskussion mit Adel El-Sayed, Politologe und Andreas Vonach, Theologe
Mehrere Ereignisse, die in den letzten Monaten das Weltgeschehen nachhaltig prägten, haben gezeigt, wie sehr das Phänomen Religion auch in vermeintlich säkularen Gesellschaften Einfluss auf die Politik ausübt, wie aber auch Religionsgemeinschaften selbst politisch tätig und wirksam sind. Andererseits bedienen sich viele politische Systeme nicht ungern der Religion als populärem Mittel, das ihnen zum Erreichen ihrer Ziele verhelfen soll.
Folgende Fragen wurden diskutiert: Wie weit geht der Rahmen legitimer Anwendung politischer Mittel durch Religionen? Wie weit darf die Verflochtenheit von Politik und Religion auch in säkularen Gesellschaften legitimer weise gehen? Wo sind die Grenzen und wer gibt sie vor? Welche Rolle spielen die Medien dabei? Im Verlauf des Abends konzentrierte sich die Diskussion zusehends auf die Lage in Palästina. In der teilweise sehr emotional geführten Diskussion wurde vor allem die Politik der Israelis, und die Rolle der Amerikaner und Europäer in dieser kriegerischen Auseinandersetzung kritisiert.




Für eine Hand voll Dollars - Die Macht der Weltkonzerne


Die Machenschaften der Weltkonzerne - Schwarzbuch der Markenfirmen
a
m 18. November 2002, im Haus der Begegnung in Innsbruck im Rahmen der "Faire Wochen Tirol"
TeilnehmerInnen:150
Ein Vortrag und Diskussion mit Klaus Werner, Mitautor vom Schwarzbuch der Markenfirmen

Im Vorspann zum Vortrag von Klaus Werner zeigte eine Gruppe der "ARGE für politisches und soziales Theater spectACT" Theaterszenen zum Thema Textilien und ihre verborgenen Hintergründe. Das Programm "lautstark" bot eine Collage aus Szenen, die mit Hilfe der Methoden Augusto Boals, vor allem der des Zeitungstheaters, entstanden sind. Ihr Ziel ist eine Sensibilisierung und Mobilisierung für die Anliegen der Clean-Clothes-Kampagne. Dies sollte nicht nur durch bloßes Zuschauen erreicht werden, sondern es wurde auch das Publikum ins Geschehen eingebaut.
"Die für uns arbeiten", das sind immer öfter Menschen aus den Billiglohnländern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa. Ausbeutung, Zwangs- und Kinderarbeit sind dort an der Tagesordnung. Menschen und Lebensräume werden vergiftet, Regierungen erpresst, Krisen und bewaffnete Konflikte ungeniert ausgenützt oder sogar finanziert. Bekannte und beliebte Weltmarken tolerieren Folter, Sklaverei, unerlaubte Medikamentenversuche, Diskriminierung, Tierquälerei, Umweltzerstörung und die Verfolgung von Gewerkschaften und Kritikern. Doch gleichzeitig setzen immer mehr Konsumenten auf ethische Mindeststandards. Sie wollen keine Produkte mehr kaufen, bei deren Herstellung Kinder ausgebeutet werden oder ganze Völker ihre Lebensgrundlagen verlieren. Das bringt aber auch Verunsicherung: Was kann ich überhaupt noch kaufen? Und vor allem: Wer sind die "Bösen" unter den Marken, mit denen ich im Alltag zu tun habe?
Klaus Werner schilderte seine Recherche Arbeiten, die er Großteils mittels Internet tätigte, die ihn aber auch bis in den Kongo brachten, wo Tausende für das Coltan Erz, das zur Herstellung von Handys benötigt wird, sterben und das, wie er sagt, dazu beiträgt den "Ersten Weltkrieg Afrikas" zu finanzieren. Sieben afrikanische Nationen haben ihre Truppen im Kongo positioniert. Die Regierungsarmee wird von den Nachbarstaaten Simbabwe, Angola und Namibia unterstützt. Der Norden und Osten des Landes hingegen sind von zwei Rebellenbewegungen und Zehntausenden Soldaten der östlichen Nachbarländer Ruanda und Uganda besetzt. Es gibt aber noch eine weitere Kriegspartei: Westliche Industriekonzerne beuten seit langem die Rohstoffe des zentralafrikanischen Riesenlandes aus und scheuen nicht davor zurück, Rebellen und Armeen zu finanzieren. Manchmal arbeiten sie sogar Hand in Hand mit ihnen zusammen. Die Hauptfront des Krieges verläuft nicht zufällig entlang der Großen Minen.

In der Diskussion mit dem Publikum stand vor allem die Frage "was können wir tun?", im Vordergrund. Klaus Werner betonte immer wieder, dass ein Boykott der angesprochenen Firmen, das Elend der Bevölkerung in den Herstellungsländern nicht verbessern wird. Vielmehr fordert er auf, sich an die Konzerne zu wenden und den Spaß am Konsum mit der Forderung nach menschenwürdigen Lebensstandards auch am anderen Ende der Produktionskette zu verbinden. Es geht darum bei den großen Firmen lautstark Veränderungen einzufordern und bewusst zu machen, dass die Macht bei den Produzenten liegt.



Die Machenschaften der Weltkonzerne
am 09.11.2002 in Lienz/Osttirol
TeilnehmerInnen: 20

Eine Tagung mit Vorträgen und Diskussionen von und mit Klaus Werner (Schwarzbuch der Markenfirmen) und Johann Kandler (Entwicklungshelfer)
Die Machenschaften der Weltkonzerne mit Klaus Werner (siehe vorigen Bericht aus Innsbruck)
Volksbewegungen auf der Schattenseite der Globalisierung in Brasilien mit Johann Kandler.
Johann Kandler thematisierte dass, wir hier in Europa im Zentrum der Weltwirtschaft und der Geschichte leben, aber sehr wenig von den "Rändern" wissen. Tagtäglich konsumieren wir Nahrungsmittel und Rohstoffe aus aller Welt, deren soziale und ökologische Geschichte uns weitgehend unbekannt ist. Noch weniger bekannt ist der Aufbruch zahlloser Volksbewegungen auf den Schattenseiten der Globalisierung. Z. B. in Brasilien organisierten sich seit der Militärdiktatur in einem überaus dynamischen Prozess Volksbewegungen im urbanen und ländlichen Bereich, die im Aufbau von neuen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Modellen arbeiten, die sich nach Solidarität und Gerechtigkeit ausrichten und zu Alternativen des Neoliberalismus werden.

Eine Kooperationsveranstaltung der GBW Tirol mit der GBW Kärnten



Medienwerkstatt

Sisley: Der Winterkatalog
Werbung zwischen Kunst und Trash - Ein Bildergespräch mit Bernhard Kathan
am 7.Mai 2002 im Kunstpavillon, Innsbruck
TeilnehmerInnen
: 45
Vielfach wird Werbung als die Kunstform der Gegenwart behauptet. Dies ist nicht abwegig, spiegelt sich doch die postmoderne Gesellschaft weniger in der Kunst als in der Werbung. Nicht die Kunst, nicht das Theater, nicht die Literatur, Werbung (und damit verbunden der Konsum oder Kaufakt) bildet den eigentlich Referenzraum postmoderner Lebensdramen; gesellschaftliche Selbervergewisserung findet schlechthin in der Werbung statt. 1962 empfahl Hans Magnus Enzensberger Politikern, Soziologen, Nationalökonomen oder den Herbstkatalog des Versandhauses Neckermann als "Plebiszit des Verbrauchers" zu lesen:
"Obwohl es der Werbung dient, gibt es Auskünfte von der striktesten Objektivität, die man sich wünschen kann. Es ist unbestechlicher und genauer als jede demoskopische Untersuchung", denn der Katalog zeige, wie die Mehrheit der Menschen das "private" Dasein gestaltet bzw. gestalten möchte.


Wahlplakate....dümmer geht's nicht
eine Wahlplakatanalyse von Bernhard Kathan
am 04.11.2002 im Cafe SUB in Innsbruck
TeilnehmerInnen: 25

Bernhard Kathan stellte verschiedene Plakate aus dem derzeitigen Wahlkampf vor und zeigt auch die Parallelen zu Plakaten aus früheren Wahlkämpfen her. Eines der ÖVP-Plakate zeigt Wolfgang Schüssel und Christoph Leitl. Beide betrachten einen jungen Mann, der mit einem Bandschleifer beschäftigt ist: Arbeit schaffen. Wohlstand sichern. Gemeinsam für Österreichs Wirtschaft. Die beiden betrachten einen Arbeiter bei der Arbeit, sind also selbst untätig. Sie treten nicht mit ihm in Kontakt. Es ist wohl anzunehmen, dass keiner der beiden glücklich mit dieser Arbeit wäre. Man sagt auch, Arbeit sei schön, wenn sie nur andere machten. Arbeit, mag sie in unserem Leben noch so wichtig sein, ist kein positiver Wert an sich. Stress, Konkurrenzdruck, Rückenleiden wie vieles andere sind auch Ausdruck heutiger Arbeitsbedingungen. All dies wird nicht thematisiert. Würde dies geschehen, ließe sich das Thema Gesundheit nicht so plakativ behandeln. In der weiteren Diskussion wurde auch über die Grünen Wahlplakate gesprochen, und darüber diskutiert, wo es Verbesserungsmöglichkeiten gäbe. Zudem wurde auch immer wieder die Sinn Haftigkeit von Plakatwerbung in Frage gestellt, da es besonders schwierig ist, mit Plakaten politische Inhalte zu transportieren. Andererseits scheint es unausweichlich, im Wahlkampf mittels Plakaten präsent zu sein.



Radiosendungen
Die GBW - Tirol ist Mitglied beim freien Radio Tirol. Wir sind jeden zweiten Montag im Monat auf Sendung. In der einstündigen Sendung mit dem Titel Brisant bearbeiten wir aktuelle Themen, mittels verschiedener Techniken. Zusätzlich wurden auch Sendungen, gemeinsam mit Südwind Tirol, zum Thema "faire Wochen" gestaltet. Die CD`s können in der Grünen Bildungswerkstatt Tirol bestellt werden. Die Sendung wurden auch z.T. von anderen freien Radios in Österreich übernommen.


Radio Brisant

Was heißt menschenwürdig sterben?
Eine Radiosendung zum Thema: Was heißt menschenwürdig sterben. Ein Gespräch zwischen Karl Nemec (praktischer Arzt in Innsbruck und Kurt Grünewald (Internist und Gesundheits- und Wissenschaftssprecher der Grünen im NR) Die Verdrängung des Todes führt in den westlichen Gesellschaften zu offenkundigen Defiziten in der Begleitung von Todkranken und Sterbenden. Was bedeutet Sterbehilfe, Sterbebegleitung und Paliativmedizin? Was bedeutet Sterbekarenz? Dem und anderen Fragen näherten sich Karl Nemec und Kurt Grünewald in einem gemeinsamen Gespräch.
gesendet am 08.07.2001 in Innsbruck


Spieglein, Spieglein an der Wand
Eine Radiosendung im Rahmen unserer Serie Brisant, zum Thema Schönheit aus dem Operationssaal. Texte aus verschiedenen Printmedien über die Methoden von Eingriffen, die uns mehr Schönheit bescheren sollen, aber auch über Hintergründe und Risiken dienten als Vorlage für eine Textcollage, die nach der Zeitungstheatermethode von Augusto Boal zusammengestellt, und mit dazu passenden Liedern untermalt wurden.
gesendet am 12.08.2002 in Innsbruck


Schein und Wirklichkeit in Palästina
Eine Sendung im Rahmen unserer Serie Brisant. Wir verwendeten dazu den Vortrag von Felicia Langer, den sie im Rahmen unserer gleichnamigen Veranstaltung, am 19.3.2002 in Innsbruck hielt. Siehe Bericht die Rolle des Staates.
Gesendet am 09.09.2002


Globalisierung - und wo bleibt Afrika?
Ein Gespräch mit der Senegalesin Awa Sarr N`daye, im Rahmen der Sendereihe Brisant. Frau N`daye unterrichtet Deutsch, als zweite Fremdsprache in einer Realschule in Bambylor. Sie erzählt über die politischen Verhältnisse in Senegal, die wirtschaftliche Situation und das Leben mit der islamischen Religion, die ja keine traditionelle Religion Afrikas ist.
Senegal ist nach der Elfenbeinküste das am weitesten industrialisierte Land Westafrikas. Die Entwicklung des Landes wird nun aber durch die Auflagen des IWF bezüglich Strukturanpassung weitgehend eingebremst. So müssen z.B. Pflege- und Lehrpersonal abgebaut werden, obwohl ein weiterer Ausbau des Gesundheits- und Bildungswesen dringend notwendig gewesen wären. Immerhin liegt die Analphabetenrate noch bei 77%. Frau N´daye betont ganz besonders, dass die Entwicklung ihres Landes von ihnen selbst abhängt, und Hilfe von außen durch Zwangsmassnahmen, die keinerlei Rücksicht auf die Kultur und Lebensweise der einheimischen Bevölkerung nehmen, zu keinem langfristigen Erfolg führen kann. Was nicht heißen soll, das finanzielle Mittel und technisches know-how nicht dringend notwendig sind. In dieser Hinsicht wurden sie bisher seitens der arabischen Welt unterstützt.
Gesendet am 14.10.2002


Gäste aus Tansania
Ein Gespräch mit Geraldine Mushema und Anrew Mutagobwa, die auf Einladung von der Aktion Bruder und Schwester in Not, einige Wochen in Innsbruck verbringen, um uns über ihr Land und ihre wirtschaftlichen Probleme zu erzählen. Geraldine Mushema arbeitet als Beraterin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. Andrew Mutagobwa arbeitet als Assistent in einem Kontrollprogramm gegen Aids.
Gesendet am 11.11.2002


Radio Faire Wochen

Was sind die fairen Wochen?
Die Grüne Bildungswerkstatt Tirol und Südwind Tirol wollten mit dieser Koproduktion auf die "Fairen Wochen" in Tirol aufmerksam machen. Im Mittelpunkt der Fairen Wochen stand die Erlebnisausstellung "Weltumspannend handeln - wir leben vom Land", welche die Auswirkungen globaler Entwicklungen in Landwirtschaft und Handel auf Kleinbauernfamilien sowie Alternativen für die zukunftsfähige Landwirtschaft zeigt.
Gesendet am 5.11.2002


Biobauern "Partner rund um die Welt
Die grüne Bildungswerkstatt Tirol lud in Kooperation mit Südwind Tirol zu dem Hörbild "Die Bio-Bauern", "Partner rund um die Welt" ein. In dieser Radiosendung haben wir den Alltag, das Leben, die Gedanken, Visionen und Hoffnungen zweier Bio-Bauern - Pedro Rene Galves Roblereo/Mexiko und Sepp Ortner/Österreich - in Form zweier Hörbilder gegenübergestellt und mit ihren persönlichen Musikwünschen unterlegt
Gesendet am 12.11.2002 im Freirad Tirol


Wissen Sie was fairer Handel ist?
Die Grüne Bildungswerkstatt Tirol wollte in dieser Sendung von PassantInnen, PolitikerInnen und NGÒ-VertreterInnen wissen, was denn der faire Handel eigentlich sei. Zusätzlich wurden Ausschnitte von Vorträgen mit Klaus Werner, Mitautor des "Schwarzbuch der Markenfirmen" und Johann Kandler, Entwicklungshelfer, eingebaut.
Gesendet am 19.11.2002 im Freirad Tirol



Sommersymposion
Die Würde des Menschen ist antastbar - Ethik und Biowissenschaften
vom 05.09.2002 bis 08.09.2002 in MariasteinTN 45

Streitgespräch zum europäischen Übereinkommen über Menschenrechte und Biomedizin
zwischen Birgit Primig-Eisner, Vorsitzende der "Ethikkommission für das Bundeskanzleramt" und
Holger Baumgartner, Dr.med. Stv. Vorsitzender der Ethikkommission der med. Fakultät der Uni Innsbruck und Mitglied der Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt.
Moderation: Kurt Grünewald, Dr. med. und NR der Grünen

Birgit Primig Eisner:
Forschung sollte zum Nutzen der Menschheit geschehen. Und dennoch müssen Menschen vor Forschung geschützt werden vor ihren Methoden, vor ihren Ergebnissen. In den 90er Jahren erkannt der Europarat die Notwendigkeit, ein neues internationales Regelwerk zu entwickeln, das die Gefahren der Forschung vom Menschen abhält. Eine Konvention wurde erarbeitet, die unter dem bezeichnenden Titel "Übereinkommen zum Schutz der Menschenrechte und der Menschenwürde im Hinblick auf die Anwendung von Biologie und Medizin" im November 1996 veröffentlicht wurde. Die gesamte Problematik der grenzüberschreitenden Vernetzung von Ethik, Recht und Politik wird in dieser Konvention deutlich. Der Europarat umfasst derzeit 42 Mitgliedsstaaten. Wirtschaftliche Interessen, politische Machtverhältnisse, historische Erfahrungen, religiöse Richtungen - nur einige Beispiele, in denen es zum Teil gravierende Unterschiede zwischen diesen Staaten gibt.
Die Biomedizin-Konvention ist prinzipiell als "Versuch" zu würdigen. Sie formuliert in einigen Paragraphen Vorschriften, die über dem Niveau der österreichischen Gesetze stehen oder Lücken der österreichischen Gesetzgebung schließen.
Der Vorrang des menschlichen Lebens gegenüber dem bloßen Interesse der Gesellschaft oder Wissenschaft (Artikel 2 der Konvention) ist in dieser klaren und deutlichen Form in innerstaatlichen Gesetzen nicht geregelt. Ebenso wenig besteht ein klares Diskriminierungsverbot aufgrund des genetischen Erbes. Auch der finanzielle Gewinn bei Organentnahmen ist in Österreich bestenfalls "sittenwidrig", aber nicht eindeutig strafbar, in der Konvention dagegen untersagt. Obwohl diese Fakten spätestens seit der Veröffentlichung der Konvention bekannt sind, hat sich an der diesbezüglichen Gesetzeslage nichts geändert.

Holger Baumgartner: Wir sind Zeitzeugen einer Revolution in der Biologie und der Medizin. Vor uns stehen Fragen, von denen wir vor kurzer Zeit nicht einmal geträumt hätten. So oder ähnlich denken sicher viele Menschen heute. Dies ist ein Irrtum. All diese Fragen wurden von höchst qualifizierten Wissenschaftlern schon vor Jahrzehnten der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht Erstaunlicherweise hat sich aber der Europarat schon vor Jahren mit den herannahenden Fragen zu befassen begonnen. Zur Klarstellung: Der Europarat ist nicht die EU, dem Europarat gehören 42 Mitgliedstaaten an, so auch Russland, Island und sogar die Schweiz. Dieser Europarat hat Überlegungen angestellt, wie man die europäische Grundwerte und den Fortschritt der Biologie und Medizin in Einklang bringen könnte. Jetzt hat der Europarat die Europäische Bio-Medizin-Konvention erarbeitet. Diese Konvention ist der krampfhafte Versuch europäische Mindeststandards zu definieren. Dabei muss auf überaus unterschiedliche und vielfältige Meinungen Rücksicht genommen werden: Die Holländer mit ihren Euthanasievorstellungen, die Engländer mit ihrem ausgeprägten naturwissenschaftlichen Denken. Das Ergebnis kann nicht ein Ideal sein, kann nicht perfekt sein. Die Alternative wäre, gar nichts zu tun.
In dieser Europäischen Bio-Medizin-Konvention wird ein weiter Bogen an Spielregeln für den Umgang mit der Medizin bzw. zwischen dem Bürger, der Gesellschaft, der Medizin und der Biologie gespannt. So wird beispielsweise die Frage der Nicht-Diskriminierung folgendermaßen angesprochen: "Jede Form von Diskriminierung einer Person wegen ihres genetischen Erbes ist verboten." Das ist wichtig.


Szenen zwischen den Zeilen - die Gewalt der verschwiegenen Moral
Theaterworkshop mit Michael Thonhauser
unter diesem Titel fand im Rahmen des Sommersymposions "Ethik und Biowissenschaften" unter der Leitung von Michael Thonhauser, Theaterpädagoge, ein zweitägiger Theaterworkshop statt. Die TeilnehmerInnen entdeckten das Unausgesprochene - das was zwischen den Zeilen verschwiegen wird. Es wurde unter anderem mit der Methode des "Zeitungstheaters" von Augusto Boal gearbeitet. Die dazu verwendeten Texte stammten aus den Vorträgen des Symposions, Zeitungsausschnitten und Texten der ReferentInnen. Es war für die TeilnehmerInnen spannend zu erleben, wie schnell es möglich ist, mittels Improvisationstechniken, dem Lehrstück nach Berthold Brecht und den Theatertechniken von Augusto Boal zu einem szenischen Ausdruck von aktuellen politischen Themen zu gelangen. Letztendlich wurden zwei Szenen herausgearbeitet und am Samstag Abend unter Einbeziehung des Publikums aufgeführt.
Die Theateraufführung "Theaterszenen zwischen den Zeilen", die von den TeilnehmerInnen des Workshops erarbeitet wurde, bestand aus zwei Szenen, wobei das Publikum die Möglichkeit bekam, mittels Mitspielen die Dynamik der Szene zu verändern. Bei einer Szene wurde die Problematik der Schönheitschirurgie bearbeitet, wobei der gesellschaftliche Druck zu "makelloser Schönheit" ebenso thematisiert wurde, wie die "gewinnbringende" Arbeit der Schönheitschirurgie. Die zweite Szene beschäftigte sich mit dem Thema des "optimalen" Kindes. Wie intelligent, schön und stark soll unser Kind sein? Sind blaue Augen, besser als braune, soll es ein Mädchen oder Junge sein, sollen wir auf die Muskeln des Arnold Schwarzenegger zurückgreifen, oder wäre das Gehirn von einem Politiker gerade richtig? Das Kind nach Maß, gekauft und zusammengesetzt ganz nach Wunsch und finanziellen Möglichkeiten. Die Möglichkeiten des "Mitspielens und Veränderns" wurde vom Publikum mit viel Lust und Spaß genutzt, und somit die Problematik des Sommersymposions "Ethik und Biowissenschaften" auf eine andere Ebene gehoben und bearbeitet.


Reise nach "Genopoly"
biopolitische Anmerkungen zu Vergesellschaftsformen des Lebendigen

Ein Film, eine Diabildercollage, ein Vortrag und Diskussion mit Frau Lisbeth N.Trallori im Rahmen des Sommersymposions Ethik und Biowissenschaften
Frau Lisbeth. N. Trallori verwendete eine eigens zusammengestellte Diabildercollage, um ihren Vortrag "Reise nach "Genopoly" - biopolitische Anmerkungen zu Vergesellschaftsformen des Lebendigen zu unterstreichen und die Thematik bildhaft herauszuarbeiten. Angesichts des Dilemmas, das mit einer "ordentlichen" Substituierungspolitik von Menschen einhergeht, stellt sich die grundsätzliche Frage nach deren Vernutzung: Welche(wer oder was wird noch gebraucht? Und zu welchem Preis? Könnte es nicht sein, dass zunehmend nur mehr eine kleine Truppe von hochdotierten Spezialisten nachgefragt wird, der Rest sind als überflüssig deklarierte Massen. Diese und andere Fragen über Optimierungstheoreme, "Segnungen" der Bioindustrie, sowie Globalisierung und Individualisierung und die Ethik des Neoliberalismus wurden bei diesem Vortrag der Käthe-Leichter-Preisträgerin für wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Frauenforschung vom feministischen Standpunkt her, beleuchtet und argumentiert.


Frauen und "ihre" Kinder im biotechnologischen Zeitalter
Ein Vortrag , Workshop und Diskussion mit Frau Barbara Maier, Gynäkologin und Medizinethikerin im Rahmen des Sommersymposions Ethik und Biowissenschaften
Frau Barbara Maier setzte sich in ihrem Vortrag großteils in ethischen Perspektive mit Schwangerschaft (von der Konzeption bis zur Geburt) im gynäkologisch - geburtshilflichen Setting am Ende des 20. Jahrhunderts auseinander. Fragen unserer Vorstellung von Mensch, Fortpflanzung und Geburt werden ebenso wie die moralischen Herausforderungen durch moderne Technologien (in Reproduktionsmedizin, Pränataldiagnostik und -therapie und Geburtsmedizin) behandelt. Praktische Zugänge wurden von Frau Maier zu vielen berührten Themenkreisen vermittelt und waren als Basis für einen lebendigen Austausch zwischen den TeilnehmerInnen sehr wichtig.


"Wert und Leben. Biotechnologie als Herausforderung für eine politische Ethik"
Ein Vortrag, Workshop und Diskussion mit Herrn Wilhelm Berger, Sozialwissenschaftler und Philosoph im Rahmen des Sommersymposions Ethik und Biowissenschaften.
Der Satz von Wilhelm Berger "Erwarten Sie keine inhaltliche Definition" kann als Überzeugung ausgesprochen werden, und eben eine solche Überzeugung stand hier zur Debatte. Sie lautete: Eine zeitgemäße Ethik verfügt selber über keine definierbaren Inhalte. Damit war der Ausgangspunkt zunächst eine Enttäuschung. Aber gleichzeitig wurde damit schon einiges implizit kritisiert: zum Beispiel die real existierende Fiktion, dass Ethik so etwas sein könnte wie eine hauptsächlich an den Universitäten verankerte Theorieproduktion: An den Universitäten wird gedacht und gedacht, und dann treten die Ethiker oder die Ethikerinnen vor die Türen und Teilen den Rezipienten und Rezepientinnen in der Praxis die Resultate ihrer Bemühungen mit. Ebenfalls kritisierte Herr Berger die Figur des philosophischen Gurus, der z.B. in den Talkshows auftritt, zum Beispiel angesichts der Entwicklungen in der Humangenetik von der Möglichkeit eines ethischen Höherzüchtens der menschlichen Gattung spricht, und doch nur sich selbst vermarkten will.


"Die Würde des Menschen ist antastbar"
Ein Vortrag, Workshop und Diskussion mit Herrn Peter Kampits, Vorstand des Instituts für Philosophie an der Uni Wien im Rahmen des Sommersymposions Ethik und Biowissenschaften.
Die Würde des Menschen ist antastbar, Herr Kampits ging der Frage nach, ob das jetzt eine Affirmation, eine Behauptung, oder eine Frage sei. Er glaubte davon ausgehen zu können, dass die Würde in der letzten Zeit sehr stark strapaziert wurde, und dass zugleich aber die Würde unentwegt, nicht nur im Kontext der medizinischen Problematik, sondern auch im Kontext dessen, was die ganze Menschenrechtsdiskussion betrifft, eigentlich unentwegt angetastet wird.
Man sollte unterscheiden, zwischen der Reflexion über das was Ethik, was Moral sein soll, und das dementsprechende Verhalten dazu gelernt werden. Er zeigte den Unterschied zwischen der philosophischen Ethik und der religiösen, oder theologischen Ethik auf, nämlich dass die theologische Ethik immer eine bestimmte Letztbegründung hat, in dem sie sagt, das ist der Wille Gottes, und wenn man gläubig bist, dann soll man sich danach richten. Dazu kommt, dass Moral oder Moralsysteme sowohl eine historische, wie auch eine kulturelle Differenz aufweisen. Die Moral unserer abendländischen Gesellschaft und die des Islam oder einer fernöstlichen, oder einer afrikanischen unterscheiden sich beträchtlich voneinander. Und historisch gesehen, sind verschiedene in den Moralsystemen für uns heute eher nicht glücklich erscheinende Dinge, selbstverständlich gewesen. Beide aber, Ethik, sowie die Moral stehen heute vor einem großen Problem und das ist der Grund, warum die Bioethik lt. Herrn Univ. Prof. Kampits derzeit so ein großen Boom erlebt.


Gesundheitspolitik und medizinische Ethik - ein Widerspruch?
Ein Vortrag und Diskussion mit NR Kurt Grünewald, Arzt und Abgeordneter zum Nationalrat für die Grünen in Österreich im Rahmen des Sommersymposion Ethik und Biowissenschaften

Nicht nur, wenn wir politische und mediale Debatten zu diversen Themen verfolgen, erinnern wir uns in unterschiedlich ausgeprägter Verzweiflung des Satzes "man sollte wissen worüber man spricht". Dieser Anspruch und dieser Wunsch wird auch außerhalb politischer Auseinandersetzung oft zu einer uneinlösbaren Hypothek.
Der Versuch einer Annäherung lohnt sich jedoch und jeder Schritt in diese Richtung ist besser als Fatalismus, Resignation und Rückzug in private Ohnmacht. Unzweifelhaft ist die Welt um uns komplexer und damit auch komplizierter geworden. Der Fortschritt der naturwissenschaftlichen und medizinischen Forschung wird immer rasanter und immer weniger Menschen sind in der Lage seine Auswirkungen auf ihren Nutzen, sowie ihre potentiellen Risiken zu beurteilen. Blinde Fortschrittsgläubigkeit, wie fundamentale Ablehnung, begegnen uns in der Diskussion über den wissenschaftlichen Fortschritt meist recht ungeordnet nebeneinander. Beide Zugänge, oft mit dem Selbstbewusstsein von Privatoffenbarungen verkündet, werden der Wahrheit selten gerecht Kriterien, nach denen diese Fragen zu beantworten sind, erlangen nur gesellschaftliche Verbindlichkeit, wenn sie in möglichst breitem Konsens definiert werden und sich durch die Vielfalt der Blickwinkel auszeichnen. Ethische Konzepte müssen einer Überprüfung in der Praxis standhalten. Ohne breiten Dialog und dem Bemühen um Konsens bleibt alles graue Theorie.


Ethik und Parlament - ein Widerspruch?
Klubzwang oder Weltanschauung und die Sprachlosigkeit
ein Vortrag von NR Kurt Grünewald, mit anschließender Diskussion
Am 24.06.2002 in Innsbruck, Cafe SUB
TeilnehmerInnen: 30

Politik begleitet und beeinflusst unser Leben von Beginn an und setzt vielfach jene Rahmenbedingungen unter denen wir unsere ganz persönliche aber auch gemeinsame Welt gestalten können. Daher sind die Voraussetzungen und Bedingungen unter denen Politik stattfindet und PolitikerInnen agieren etwas, was einer näheren Betrachtung wert ist.
Welche Spielräume stehen politischem Handeln offen und wo sind die Grenzen und Zwänge, die Vorstellungen, Utopien und Weltanschauungen nicht erlauben ihren Weg in die Wirklichkeit zu finden? Grünewald setzt als These voraus, dass Politik sich nicht darauf beschränken kann, eine uns vorgegebene Welt als letzte aller Wirklichkeiten, einfach als das was sie ist, hinzunehmen.
Macht und Einfluss sind politische Dimensionen zur Durchsetzung von Programmzielen und zur Befriedigung von Klientels. Von ihnen erwartet man sich Stimmen wie Spenden. Selbst knappe Mehrheiten und noch so dürre Argumente erlauben bei Abstimmungen programmierte Siege und niemand ist freiwillig bereit auf diese, zugunsten der Vorrangigkeit des Gewissens, zu verzichten. Individuelle Ethik, Überzeugung und persönliches Gewissen kollektiveren Erfolgserlebnissen gegen zurechnen ist problematisch für die Betroffenen, schadet aber auch der glaubwürdigen Vermittlung politischer Entscheidungsprozesse.
Im Spannungsfeld zwischen Klubzwang und Gewissen gehören Kompromisse, Parteiräson, Treue, Gehorsam und Niederlagen für Viele zur Tagesordnung. Nicht die unterschiedlichen Erlebniswelten und Einstellungen irritieren, es sind ihre oft alles übertünchenden Intensitäten, die das ganze Ausmaß solch gefährlicher Gratwanderungen zeigen. So wird es Mandatare geben, die dabei an ihre natürlichen Grenzen stoßen und andere, die erst im Niemandsland ihre Entfaltung und Entsprechung finden. Einige zerbrechen daran und ich halte diese nicht für die Schlechtesten, andere sind gezeichnet und bei vielen bleiben Fragen nach dem Warum und Wie einfach offen. Pragmatischer Realismus wurde nicht erst heute zum modischen Zeichen der Stärke und fragwürdiger Tüchtigkeit.
Schwächen sind das Letzte was in der Politik gefragt ist. Nur darüber zu sprechen ist schlimmer! Die Auswirkungen dieses Schweigens und Verdrängens sind fatal und die Bilder die sich dabei vom Gegenüber ergeben maskenhaft.